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03.02.2012 - Wiesbaden - Kriminalität rückläufig - Sorgenkind Wohnungseinbrüche

So wenig Delikte wie seit Jahrzehnten nicht mehr und eine hohe
Aufklärungsquote - die hessische Kriminalitätsstatistik für 2011
sieht gut aus. Kopfschmerzen bereitet aber die Zunahme von
Wohnungseinbrüchen.

(dpa/lhe) - Hessens Polizei sagt der wachsenden Zahl von
Wohnungseinbrüchen den Kampf an. Mit einer Zunahme von neun Prozent
im vergangenen Jahr bleibe dieser Bereich «Sorgenkind» der
Kriminalitätsstatistik, sagte Innenminister Boris Rhein (CDU) am
Freitag bei Vorlage der Kriminalitätsstatistik 2011. Mit der
ebenfalls boomenden Computer- und Wirtschaftskriminalität trüben die
Einbrüche die Zahlen. Danach gab es im vergangenen Jahr in Hessen
10 874 Einbrüche in Wohnungen, die Zahl der Delikte am helllichten
Tage hat mit einen Zuwachs von 12,2 Prozent auf 4500 Fälle besonders
stark zugelegt.

   Insgesamt ist die Zahl der erfassten Straftaten in Hessen mit
396 834 Fällen jedoch erstmals seit 1984 wieder unter die Schwelle
von 400 000 gefallen, das Minus beträgt im Vorjahresvergleich 1,3
Prozent. Zugleich wurde mit 58,5 Prozent die höchste Aufklärungsquote
seit 1971 erreicht.

   Rhein sprach insgesamt von einer «sehr positiven Bilanz». Die
Landtagsopposition hielt dem Minister vor, er rede die
Kriminalitätssituation schön. Bei der Aufklärung liege Hessen nur auf
Platz sieben der Bundesländer. Die Spitze bildeten Thüringen, Bayern
und Rheinland-Pfalz.

   Bei Wohnungseinbrüchen will die hessische Polizei die als typisch
geltenden An- und Abfahrtsstrecken noch stärker kontrollieren und an
Brennpunkten präsent sein. Sehr gute Erfahrungen haben die Behörden
nach den Worten Rheins mit einer erstmals in Frankfurt eingerichteten
«Tatortgruppe» gemacht, die nach Einbrüchen auch nachts sofort die
Spuren untersucht. Aber auch Prävention sei wichtig. Die Bürger
selbst müssten Einbrechern «einen Riegel vorschieben», sagte Rhein.
Es sei erschreckend, wie wenig Fenster gesichert seien. Als Erfolg
wertete er, dass zwei Fünftel aller Einbrüche in Wohnungen scheitern.

   Deutlich rückläufig waren Morddelikte (-10,8 Prozent) und
fahrlässige Tötungsdelikte (-14,9 Prozent). Zurückgegangen ist auch
die Jugendkriminalität. Die Zahl der tatverdächtigen Kinder und
Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 20 Jahren verminderte sich um
10,8 Prozent auf knapp 14 000.

   Dies führte Rhein auf ein Bündel von Maßnahmen seitens der
Behörden und auch Schulen zurück. Beispielhaft sei das Projekt «Gelbe
Karte», das die Städte Wiesbaden, Fulda und Gießen nach
Gewaltdelikten als «Warnung» vor einem drohenden Verlust des
Führerscheins anwenden. Als großen Erfolg wertete der Innenminister
auch die Häuser des Jugendrechts in Frankfurt und Wiesbaden, in denen
Justiz und andere Behörden bei der Ahndung von Delikten kooperieren.
Eine Ausweitung dieses Modells auf andere Teile Hessens sei nicht
auszuschließen, sagte Rhein.

   Zugenommen hat in Hessen im vergangenen Jahr die
Computerkriminalität (+10,3 Prozent). Die Wirtschaftskriminalität
legte sogar um mehr als 40 Prozent zu. Der Betrug mit Kapitalanlagen
schnellte in diesem Segment dabei 2011 sogar um fast 400 Prozent auf
1165 Fälle in die Höhe. Dies führten die Behörden aber vor allem auf
ein großes Verfahren zurück.

   Die Polizei arbeite engagiert, könne aber wegen der von oben
verhängten Einsparungen nicht mehr leisten, erklärte die
SPD-Abgeordnete Nancy Faeser. «Boris Rhein kann den Bürgerinnen und
Bürgern kein echtes Mehr an Sicherheit bieten.» Regional seien
Frankfurt und Kassel von der Zunahme der Wohnungseinbrüche betroffen.
Auch die Grünen sahen in der Statistik «keinen Grund zu Jubelorgien».

   Die solide Sicherheitspolitik der Landesregierung zahle sich aus,
meinten dagegen die Regierungsparteien: «Hessen ist eines der
sichersten Bundesländer in Deutschland», erklärte der innenpolitische
Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Bauer. Der FDP-Abgeordnete
Wolfgang Greilich erklärte: «Besonders erfreulich ist der Rückgang
bei den Gewalt- und Rohheitsdelikten sowie bei der
Jugendkriminalität.»

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