So wenig Delikte wie seit Jahrzehnten nicht mehr und eine
hohe
Aufklärungsquote - die hessische Kriminalitätsstatistik für
2011
sieht gut aus. Kopfschmerzen bereitet aber die Zunahme
von
Wohnungseinbrüchen.
(dpa/lhe) - Hessens Polizei sagt der wachsenden Zahl
von
Wohnungseinbrüchen den Kampf an. Mit einer Zunahme von neun Prozent
im
vergangenen Jahr bleibe dieser Bereich «Sorgenkind»
der
Kriminalitätsstatistik, sagte Innenminister Boris Rhein (CDU)
am
Freitag bei Vorlage der Kriminalitätsstatistik 2011. Mit der
ebenfalls
boomenden Computer- und Wirtschaftskriminalität trüben die
Einbrüche die
Zahlen. Danach gab es im vergangenen Jahr in Hessen
10 874 Einbrüche in
Wohnungen, die Zahl der Delikte am helllichten
Tage hat mit einen Zuwachs von
12,2 Prozent auf 4500 Fälle besonders
stark zugelegt.
Insgesamt ist die Zahl der erfassten Straftaten in Hessen
mit
396 834 Fällen jedoch erstmals seit 1984 wieder unter die Schwelle
von
400 000 gefallen, das Minus beträgt im Vorjahresvergleich 1,3
Prozent.
Zugleich wurde mit 58,5 Prozent die höchste Aufklärungsquote
seit 1971
erreicht.
Rhein sprach insgesamt von einer «sehr positiven Bilanz».
Die
Landtagsopposition hielt dem Minister vor, er rede
die
Kriminalitätssituation schön. Bei der Aufklärung liege Hessen nur
auf
Platz sieben der Bundesländer. Die Spitze bildeten Thüringen,
Bayern
und Rheinland-Pfalz.
Bei Wohnungseinbrüchen will die hessische Polizei die als
typisch
geltenden An- und Abfahrtsstrecken noch stärker kontrollieren und
an
Brennpunkten präsent sein. Sehr gute Erfahrungen haben die
Behörden
nach den Worten Rheins mit einer erstmals in Frankfurt
eingerichteten
«Tatortgruppe» gemacht, die nach Einbrüchen auch nachts sofort
die
Spuren untersucht. Aber auch Prävention sei wichtig. Die Bürger
selbst
müssten Einbrechern «einen Riegel vorschieben», sagte Rhein.
Es sei
erschreckend, wie wenig Fenster gesichert seien. Als Erfolg
wertete er, dass
zwei Fünftel aller Einbrüche in Wohnungen scheitern.
Deutlich rückläufig waren Morddelikte (-10,8 Prozent)
und
fahrlässige Tötungsdelikte (-14,9 Prozent). Zurückgegangen ist
auch
die Jugendkriminalität. Die Zahl der tatverdächtigen Kinder
und
Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 20 Jahren verminderte sich
um
10,8 Prozent auf knapp 14 000.
Dies führte Rhein auf ein Bündel von Maßnahmen seitens
der
Behörden und auch Schulen zurück. Beispielhaft sei das Projekt
«Gelbe
Karte», das die Städte Wiesbaden, Fulda und Gießen
nach
Gewaltdelikten als «Warnung» vor einem drohenden Verlust
des
Führerscheins anwenden. Als großen Erfolg wertete der
Innenminister
auch die Häuser des Jugendrechts in Frankfurt und Wiesbaden, in
denen
Justiz und andere Behörden bei der Ahndung von Delikten
kooperieren.
Eine Ausweitung dieses Modells auf andere Teile Hessens sei
nicht
auszuschließen, sagte Rhein.
Zugenommen hat in Hessen im vergangenen Jahr
die
Computerkriminalität (+10,3 Prozent). Die
Wirtschaftskriminalität
legte sogar um mehr als 40 Prozent zu. Der Betrug mit
Kapitalanlagen
schnellte in diesem Segment dabei 2011 sogar um fast 400
Prozent auf
1165 Fälle in die Höhe. Dies führten die Behörden aber vor allem
auf
ein großes Verfahren zurück.
Die Polizei arbeite engagiert, könne aber wegen der von
oben
verhängten Einsparungen nicht mehr leisten, erklärte
die
SPD-Abgeordnete Nancy Faeser. «Boris Rhein kann den Bürgerinnen
und
Bürgern kein echtes Mehr an Sicherheit bieten.» Regional
seien
Frankfurt und Kassel von der Zunahme der Wohnungseinbrüche
betroffen.
Auch die Grünen sahen in der Statistik «keinen Grund zu
Jubelorgien».
Die solide Sicherheitspolitik der Landesregierung zahle sich
aus,
meinten dagegen die Regierungsparteien: «Hessen ist eines
der
sichersten Bundesländer in Deutschland», erklärte der
innenpolitische
Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Bauer. Der
FDP-Abgeordnete
Wolfgang Greilich erklärte: «Besonders erfreulich ist der
Rückgang
bei den Gewalt- und Rohheitsdelikten sowie bei
der
Jugendkriminalität.»








